Immer wieder erlebe ich, dass wir, meine Klienten und ich, dank der genialen Freemotion®-Fragetechnik im Laufe einer Sitzung an den Kernpunkt des belastenden Themas kommen. Und dass wir außerdem Sitzung eine oder zwei Ursprungs-Situationen aus der Vergangenheit neutralisieren können. Und ja, es geht schon viel besser nach der Sitzung!
Und dann….dann belassen es viele Klienten dabei. Schließlich gehts ja besser!
Aber: Wir haben gerade erst einmal angefangen kleinere Tauchgänge in die Ursprünge belastender Muster zu wagen. Als Therapeutin sehe ich genau hier das Potential nun dran zu bleiben, weiter zu machen, tiefer zu tauchen und noch vieles mehr aufzulösen – dort an der Basis. Und so meinem Klienten, meiner Klientin auch einen langfristigen, stabilen und spürbaren Kurswechsel zu ermöglichen.
Aufhören wenn`s spannend wird
Nun geschieht es allerdings häufig, dass Klienten genau an dem Punkt, wo es aus Therapeutensicht eigentlich erst richtig losgeht, wieder aufhören an sich zu arbeiten. Warum ist das so?
Zum einen ist der Grund dafür sicherlich Unwissen. Wenn man etwas aufgelöst hat ist es erstmal weg. Man spürt eine Befreiung und einen Energieschub wenn Festgehaltenes sich auflöst. Schließlich ist dort jede Menge Energie gebunden, die nun wieder zur Verfügung steht! Juhuuu – endlich frei! Das ist aber meist nur Step one. Step two bedeutet nun, das Neue auch zu verfestigen, wirklich ins Leben zu bringen und dem Gehirn neue Spuren „beizubringen“. Denn die alten Spuren sind nun überflüssig geworden.
Allerdings müssen nun, in einer gewissen Übergangsphase zwischen dem Alten und dem Neuen, diese neuen Wege auch eingeschlagen und gegangen werden. Dazu braucht es Bewusstheit und einer gewisse Willenskraft, sonst fallen wir schnell in alte Muster zurück. Und das obwohl wir ja den Ursprung (meisten einen oder 2 von mehreren) aufgelöst haben. Warum ist das so?
Wir sind alle irgendwie tätowiert
Unser Gehirn bildet gerne Denk-und Handlungsmuster, also vorgefertigte Datenautobahnen, die bevorzugt genutzt werden und somit effizient und energiesparend sind. Diese Muster bilden sich aufgrund verschiedener Überlebensstrategien, d. h. sie entstehen aus einer Not heraus und erhalten deshalb auch eine hohe Wichtigkeit! Diese Denk-und Handlungsmuster sind quasi eingraviert, gerne sage ich auch sie sind wie ein Tattoo im Gehirn!
Sechsspurige Datenautobahnen, auf denen der Datenverkehr, unsere Impulse, schnell und automatisiert fließen. Muster dienen dem Zweck, Energie zu sparen. Das Gehirn will nicht immer wieder neue Entscheidungen treffen müssen, ob es im übertragenen Sinne jetzt links oder rechts abbiegen soll.
Überleben einmal gesichert? Prima, machen wir einen Shortcut draus….
Um ein profanes Beispiel anzuführen: wie oft fuhr ich zu meiner Praxis, obwohl ich gerade gar nicht dorthin wollte. Ich bog einfach automatisch ab, weil ich das seit Jahren mindestens zweimal täglich so tat. Wenn ich also mal in die andere Richtung wollte, brauchte ich eine gewisse Bewusstheit und Aufmerksamkeit, an bestimmten Kreuzungen eben NICHT Richtung Praxis abzubiegen.
Ohne Bewusstheit, ohne Bereitschaft neue Pfade in unbekanntes Gelände einzuschlagen werden sich die alten Muster trotz fehlender Ursache langfristig durchsetzen und man steht wieder da wie zuvor. Der Ursprung des Musters, die Notwendigkeit aus einer Überlebenssituation heraus zu handeln ist zwar aufgelöst, aber die „Gewohnheit, in eine Richtung zu denken und zu handeln“ ist noch da. Ähnlich einem Propeller, dem man zwar den Strom entzieht, der sich aber noch einige Male weiterdreht, bevor er stehenbleibt.
Eine sensible Phase also! In dieser sensiblen Phase begleite ich meine Klienten gerne noch eine Weile, um sie „auf Spur zu halten“. Das hat weniger mit Freemotion® zu tun, resultiert aber daraus. Ich halte sozusagen die Bande, ich bin das Geländer, an dem sich meine Klienten festhalten können, bis sich eine neue Datenstrecke im Gehirn aufgebaut hat, die mehr und mehr automatisch abläuft. Während gleichzeitig die alte Datenautobahn langsam zuwächst.
„Use it or lose it“ heißt es unter Neurowissenschaftlern. Synaptische Verbindungen, die nicht genutzt werden, verkümmern. Synaptische Verbindungen, die neu geknüpft werden, müssen zunöchst häufig benutzt werden, damit sie sich zu größeren Strängen verbinden und der Datenfluss leicht und schnell geht. Das braucht Bewusstheit und Zeit, manchmal eben auch fachkundige Begleitung.
„Wer etwas will findet Wege, wer etwas nicht will findet Gründe“
Ein Zitat, welches dem Dalai Lama zugesprochen wird. Und das bringt mich zu einem weiteren, sehr häufigen Grund, warum Menschen aus meiner Sicht am spannendsten Punkt gleich wieder aufhören: aus Angst.
Auch hier kann eine ermutigende Begleitung viel bewirken um „über sich hinaus zu wachsen“. Und trotz der Angst einfach weiterzumachen, neue Wege einzuschlagen und ein Stück weit mit der Angst zu gehen. Ängste aber wollen wir möglichst vermeiden – das ist ja die Natur der Angst, sie will uns vor Gefahren schützen. So passiert es leider häufig, dass Klienten ihrer Angst nachgeben und nicht mehr weiter in die richtige, heilsame, gesunde Richtung gehen. Sie gehen lieber weiter auf dem vermeintlich leichten Weg, der aber natürlich immer wieder in dieselbe Sackgasse führt. (Aufgrund derer sie ja eigentlich einen Termin bei mir gebucht hatten).
Und dann, dann gibt es ja noch Grund Nr. 3: die ewige Suche nach dem heiligen Gral, der Wundermethode oder dem Wunderguru. Gerne befeuert durch Social Media und unzähligen „Videobeweisen“ mit Menschen, die beteuern, dass sie genau durch diese oder jene Methode oder Coach ihre Wunderheilung erfahren haben.
Der Traum von der Wundermethode ist übrigens auch eine herrliche Vermeidungsstrategie!
...einmal angewendet – alles weg, neuer Mensch!
Liebe Menschen, ich muss euch enttäuschen! Ich bin seit 1990 auf dem therapeutischen und spirituellen Weg. Ich habe unzählige Fortbildungen bei guten und richtig guten Kollegen und Dozenten absolviert. Ich wende mittlerweile zehn effektive Methoden in meiner psychotherapeutischen Praxis an…aber es hilft nichts:
Das Ganze ist und bleibt ein Prozess!
Nennen wir ihn: Entwicklung. Erwachsen werden. Aufwachen, Erwachen. Erkenntnisgewinn.
Loslösung alter Muster. Auflösung von Traumata. Beschreiten neuer Wege, ja auch manchmal Trennung von toxischen Bindungen. Schaffen neuer Verdrahtungen im Gehirn. Neue Wege einschlagen und sie auch gehen.
Das geht nicht mit einem einzigen Termin! Das geht meist nicht mal mit 10 Terminen!
Hier kommt die gute alte Therapeutenweisheit ins Spiel: Wir können die Menschen (und uns selbst) nur da abholen, wo sie (wir) stehen! Und wenn sie ganz unten stehen, können wir sie mit keiner Methode der Welt auf die obere Stufe heben. Das geht erstens nicht und macht zweitens keinen Sinn.
Unser Klient muss selbst die Treppe heraufsteigen. Er muss die Erfahrungen auf jeder Stufe machen und verinnerlichen. Er muss bereit sein, sich auf den Weg zu sich selber aufzumachen. Nur dann, (sorry, dass ich da so kategorisch bin) nur dann kann er ein „neuer“ Mensch, also eher ganz er selbst werden. Und auch auf den oberen Stufen passieren Rückfälle. Es gibt Stolperfallen, ich nenne sie gerne „Praxistests“, vom Leben wunderbar vor die Füße geworfen mit einem Augenzwinkern:
„Na? hast du es wirklich kapiert?“
Vielleicht landet man dann nochmal auf Stufe 3. Mist…Wieder aufrappeln, weitergehen…. Aber es geht jetzt doch was schneller…trotzdem…Glaub mir, wir sitzen wirklich alle im gleichen Boot!
Ich erinnere mich an einen wunderbaren Text, der dem tibetischen Buch vom Leben und Sterben zugesprochen wird und den ich mir in den 90ern mal kopiert habe. Keine Ahnung, woher er wirklich stammt, ich habe mir das Blatt aufgehoben und nutze es manchmal immer noch (für mich selbst als „Reminder“, und auch in der Praxis).
- „Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren. Ich bin ohne Hoffnung. Es ist meine Schuld. Es dauert endlos wieder herauszukommen.“
- „Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange herauszukommen.“
- „Ich gehe die Straße entlang. Da ist das tiefe Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort wieder heraus.“
- „Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist das tiefe Loch im Gehsteig. Ich gehe darum herum.“
- „Ich gehe eine andere Straße.“
Wenn wir also wirklich, wirklich unsere Probleme oder unser Kernproblem (was ich auch gerne als Lebensthema bezeichne) lösen oder besser gesagt transformieren wollen – und das heißt mitunter auch einfach „nicht mehr darunter leiden“ wollen, dann wäre es doch eine tolle Sache, einen Weg einzuschlagen und ihn auch wirklich zu gehen, anstatt immer wieder nach der Wunderpille und der Wundermethode zu suchen!
Meine Wegbegleitung
Ein solcher Weg kann die Arbeit mit Freemotion® sein. So wie es mir geschehen ist. Ich kann sagen:
diese Methode ist eines Tages zu mir gekommen und – geblieben!
Sie begleitet mich auf allen meinen persönlichen Wegen durch Höhen und Tiefen, hilft mir aus den „Löchern in der Straße“. Sie hilft mir mich weiter zu entwickeln. Sie hilft mir, mich zu lösen, mich zu distanzieren, mein Gehirn und mein Nervensystem von unnötigen Ballast zu befreien, so dass mein Blick auf die Welt, auf mich selbst und auf mein Gegenüber ein anderer, ein entspannterer, ein liebevollerer werden kann. Sie öffnet und schließt mich, sie bringt mich zu mir, ermöglicht mir mich mit meinen inneren Anteilen wieder zu vereinen, die in inneren Verliesen darauf harren gefühlt zu werden. Ebenso hilft sie mir über Abgründe von Verzweiflung und Angst. Und das Beste: sie ermöglicht mir auch Klienten zu begleiten und ebendies für sie zu ermöglichen.
Dank dieser Methode durfte ich auch unzählige Seminarteilnehmerinnen und manche wenige Seminarteilnehmer anleiten, diesen Weg für sich selbst und mit ihren Klienten zu gehen.
Auch hier gab es solche, die einfach eine neue Methode „eingesammelt“ haben, aber auch solche, die die Dimension wirklich erfasst und für sich als Wegbegleitung genutzt haben. Mit vielen bin ich immer noch und seit Jahren in Kontakt. Wir sind im Geist verbunden und dankbar, dass es diese Methode gibt.
Manchmal können wir schwere Wege nicht allein gehen, manchmal brauchen wir Hilfe. Von Menschen, aber auch von Methoden. Gerade Freemotion® ist wie wenige andere (z.B. EMDR, Wholeness work, The Work) dazu geeignet, sich selbst zu begleiten auf dem steinigen, holprigen, schmerzhaften und befreienden Weg zu unserem eigenen Ich (wer oder was auch immer das ist).
Wer viele Baustellen hat und nicht immer die zeitlichen und finanziellen Mittel bei auftauchenden Problemen therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen zu können, kann sich einfach punktuell begleiten lassen. Aber er kann auch große Strecken des Wegs allein – nein – zusammen mit der Methode bewältigen. So hab ich es gemacht und mache es noch immer.
Herzlichst, Deine Ulrike
Bilder: Canva
Text Copyright: Ulrike Trump

